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Wie Generationen voneinander lernen können

Heinz Imhof und Nico Sauter im Gespräch

Heinz Imhof und Nico Sauter im Gespräch

Der Schweizer Wirtschaft fehlt es an Fachkräften, der IT-Branche ganz besonders. Sie ist mit den Babyboomern als Quereinsteiger gross geworden, die schon bald in grosser Zahl in Pension gehen werden. Ihnen gegenüber stehen die Digital Natives, viel geringer in der Zahl und damit vertraut, sich in Kürze neues Wissen anzutrainieren. Im Gespräch: Heinz Imhof und der mehr als 30 Jahre jüngere Nico Sauter über die Zusammenarbeit verschiedener Generationen.

Heinz Imhof, wie sah dein Einstieg in die IT vor bald 40 Jahren aus?

HI: Ich machte 1984 Matura. Zu einem Zeitpunkt, als die ersten PC Einzug in unser Leben hielten. Da ich wie viele nicht so genau wusste, was ich studieren möchte, entschied ich mich für ein Zwischenjahr im Unternehmen meines Vaters. Dabei entdeckte ich meine Freude an der Buchhaltung. Gleichzeitig standen die ersten PC bereit, die programmiert werden wollten. Es herrschte Aufbruchstimmung. Ich war von den damaligen Technologien wie Commodore 64, IBM XT und Olivetti fasziniert. Programmieren wurde für mich wie für viele andere zum Hobby, und bald schon hatte ich mein erstes Buchhaltungsprogramm in Turbo Basic entwickelt. Ich studierte schliesslich Wirtschaft und verkaufte bereits während des Studiums die ersten Computer im Familien- und Freundeskreis.

1989 hast du bereits dein eigenes Unternehmen gegründet. Ein logischer Schritt?

HI: Wahrscheinlich schon. Uns Babyboomern eröffneten die neuen Technologien die Chance, neue Geschäftsfelder zu erschliessen. Dies galt auch für mein Unternehmen. Nachdem der ursprüngliche Zweck die Erbringung von Treuhanddienstleistungen gewesen war, begann ich Anfang der 90erJahre mit dem Vertrieb und der Implementierung der damaligen Schweizer Business Software G-Soft. Gleichzeitig kümmerten wir uns um die IT-Infrastruktur unserer Kundinnen und Kunden. Das aufkommende Internet und die steigenden Bedürfnisse an die Software führten zu einer immer stärkeren Fokussierung.

 

«Zu verstehen, was aus der Theorie heraus umgesetzt werden kann und was in der Praxis entsteht, ist sehr lehrreich.»

Nico Sauter
Kundendienst- und Projektmitarbeiter

 

Nico Sauter, du hast dich nach der KV-Lehre für ein berufsbegleitendes Studium der Wirtschaftsinformatik entschieden und bist bei Proffix eingestiegen. Weshalb IT?

NS: Die IT hat mich seit jeher interessiert. Beeinflusst haben den Entscheid aber sicher die beruflichen Perspektiven in einer Welt, in der Technologie und Vernetzung omnipräsent sind. Der Mix des Studiums aus Wirtschaft und Informatik bot mir eine gute Chance, in der IT Fuss zu fassen. Gleichzeitig konnte ich mit dem Einstieg in den Kundendienst von Proffix Theorie und Praxis verbinden und dabei mein Wissen aus meiner kaufmännischen Berufslehre mit neuen IT-spezifischen Themen verknüpfen.

 

Heinz Imhof und Nico Sauter im Gespräch

Generationentreffen: Heinz Imhof (58) war während 30 Jahren Geschäftsführer und Inhaber der Imhof Consulting AG. 2018 integrierte er die Geschäftstätigkeit seines Unternehmens in die Proffix Software AG und betreut als Senior Account Manager anspruchsvolle Projekte und Proffix eigene Kund:innen. Nico Sauter (25) arbeitet – ebenfalls seit 2018 – im Kundendienst von Proffix. Er ist bei Fragen erster Ansprechpartner für KMU und Vertriebspartner und unterstützt die Einführung technischer und gesetzlicher Neuerungen.

 

 

Wie hat sich dein Bild von Theorie und Praxis bei Proffix verändert?

NS: Obwohl sehr viel theoretisches Wissen aus den beiden Bereichen Wirtschaft und Informatik im Arbeitsalltag eingebracht werden kann, ist die praktische Erfahrung viel umfassender. Zu verstehen, was je nach Situation aus der Theorie umsetzbar ist und was aus der Praxis heraus entsteht, ist sehr lehrreich. Durch Proffix lerne ich die Arbeitsweisen von vielen Unternehmen kennen und bin erstaunt, wie modern die Prozesse bei den einen organisiert und wie stark im Hintertreffen sie bei anderen sind. Die Pandemie hat, was die Digitalisierung angeht, sicher zu einem Umdenken beigetragen.

 

Darauf kommt es an 
Wie Generationen voneinander lernen können

Heute treffen in der Arbeitswelt bis zu fünf Generationen mit unterschiedlichen Lebensstilen aufeinander. Wie gelingt angesichts dessen die generationenübergreifende Zusammenarbeit?

  1. Unterschiede als Bereicherung anerkennen können
    Jeder Mensch, unabhängig seines Alters, ist einzigartig. Jede Generation kann von der jeweils anderen und von deren Lebensstil etwas lernen. So lohnt es sich beispielsweise für die älteren Generationen nicht selten, sich bei der Frage nach dem Sinn und der Work-Life-Balance von der jüngeren Generation inspirieren zu lassen. Unterschiede zu akzeptieren ist ein wichtiger Türöffner in der Zusammenarbeit.

     
  2. Diversität in den Teams fördern
    Ob Alter, Ausbildung, Nationalität oder Geschlecht, in gemischten Teams zu arbeiten erhöht die Toleranz und das Verständnis füreinander und zwingt, alte Denkmuster aufzubrechen, neue Ideen zuzulassen und sich von altem Schubladendenken zu verabschieden. Denn so wie es «die Männer», «die Frauen» oder «die Deutschen» nicht gibt, sind auch «die Digital Natives» oder «Immigrants» eine Vielzahl von unterschiedlichen Individuen.

     
  3. Positive Fehlerkultur entwickeln
    Wer Neues wagt, findet selten auf Anhieb die perfekte Lösung. Fehler zu akzeptieren, ehrliches Feedback zu geben und aus der Situation zu lernen, fördert die generationenübergreifende Zusammenarbeit.

     
  4. Verantwortung übernehmen und abgeben
    Glaubwürdige und authentische Führungspersönlichkeiten sind gerade in generationenübergreifenden Teams mit unterschiedlicher Lebenserfahrung wichtig. In dieser Position Führung zu übernehmen zählt dabei ebenso, wie die Entscheidungsbefugnis bewusst an jüngere, manchmal unerfahrenere Teams zu delegieren.

 

Die Babyboomer-Generation mit ihrem Allrounderwissen steht heute jungen Spezialisten gegenüber. Wie funktioniert dieses «Generationen-Pingpong»?

HI: Ich bin der Meinung, dass es immer Allrounder und Spezialisten in den IT-Firmen brauchen wird. Persönlich habe ich in der Vergangenheit sehr von meinem breiten Wissen aus dem Wirtschaftsstudium und meiner Erfahrung in Treuhand und Personal sowie dem Rechtswesen profitiert und kann unsere Kunden so optimal betreuen. Wichtig ist, dass die Unternehmen Alt und Jung sowie Allroundern und Spezialisten die Möglichkeit geben, gemeinsam Kundenprojekte zu realisieren. Durch das Miteinander profitieren beide Seiten nicht nur vom Wissen, sondern entwickeln auch Verständnis für das Denken des anderen.

Nico, wie kannst du von der anderen Generation profitieren?

NS: Der Austausch untereinander ist enorm wichtig, um voneinander zu lernen. Aus der Vergangenheit lernt man für die Zukunft. Für mich ist es spannend und wichtig, auf die Erfahrung der «alten Hasen» bei Proffix vertrauen zu können. Gleichzeitig kann die ältere Generation von neuen Denkansätzen von uns Jungen lernen. Durch die bereits starke Vernetzung in frühen Jahren haben wir andere Perspektiven in die digitale Welt erhalten und können unsere Erfahrungen einbringen.

 

Heinz Imhof und Nico Sauter im Gespräch

 

Trotz technologisierter Welt und globaler Vernetzung fehlen der IT-Branche die Fachkräfte. Warum ist die IT noch immer keine Traumbranche?

NS: Ich denke, die Komplexität spielt eine grosse Rolle. Das IT-Berufsfeld wird immer komplexer, und es ist gerade für junge Leute nicht einfach, die Möglichkeiten zu erkennen. Zudem ist es eine sehr dynamische Branche, und es ist teilweise schwierig, in ein Gebiet einzusteigen und darin längerfristig mithalten zu können. Man muss am Ball bleiben, und dafür braucht es sehr viel Interesse und Eigeninitiative. Ich bin aber der Meinung, dass Schweizer IT-Unternehmen den Mitarbeitenden sehr gute Voraussetzungen bieten, um sich weiterzubilden.

HI: Ich denke auch, dass gerade die IT-Unternehmen eine Vorreiterrolle bezüglich flexibler Arbeitsmodelle und Chancengleichheit übernehmen und auch faire Löhne zahlen. Dafür verlangen sie, nicht zuletzt aufgrund der Dynamik der Branche, auch einiges. Offenheit für Veränderung und die Bereitschaft der Mitarbeitenden, Neues anzugehen und sich laufend weiterzubilden, werden auch in Zukunft wichtige Bausteine für erfolgreiche Unternehmen sein.

 

«Durch das Miteinander profitieren beide Seiten nicht nur vom Wissen, sondern entwickeln auch Verständnis für das Denken des anderen.»

Heinz Imhof
Senior Account Manager

 

Welche Eigenschaften braucht es denn im Vergleich zu früher?

HI: Letztlich sind es immer noch die gleichen. Zentral ist, dass man offen gegenüber Veränderungen und neugierig ist. Das ist der Motor in der IT und im digitalen Wandel und gilt für alle Generationen. Wer sich dem stetigen Wandel widersetzen möchte, wird es in der IT schwer haben.

NS: Die Sozialkompetenzen einer Person werden meiner Meinung nach immer wichtiger. Die Fähigkeit, in einer zusehends komplexeren Welt verständlich zu kommunizieren, gehört in einem anspruchsvolleren Arbeitsumfeld mit dazu. Unternehmen entscheiden sich nicht mehr rein aufgrund fachlicher Qualifikationen für eine Person, sondern berücksichtigen auch, ob und wie sie zum Unternehmen und ins Team passt.

Was ist zu tun, um generationenübergreifend einen begeisterten IT-Nachwuchs aufzubauen?

HI: Wie bereits erwähnt müssen Firmen die generationenübergreifende Zusammenarbeit aktiv fördern. Lernen von beiden Seiten, heisst die Devise. Eine positive Fehlerkultur bildet die Grundlage. Zudem sind eine offene Kommunikation sowie Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit entscheidende Faktoren und ein ethischer Grundsatz. Wenn diese Kultur nicht gelebt und gepflegt wird, gehen oftmals diejenigen Mitarbeitenden verloren, die in Unternehmen wichtige Stützen und Brückenbauer sind.

NS: Da stimme ich Heinz vollkommen zu. Konflikte können entstehen, wenn verschiedene Altersgruppen zusammenkommen, die menschlich nicht zusammenpassen. Das korrekte Handeln bei Fehlern oder Meinungsverschiedenheiten ist dabei essenziell. Dabei sollte stets die Absicht im Vordergrund stehen, etwas aus einer Situation zu lernen.